Kreativquartier Ruhrort

 

 

Im Oktober 2010 im Café Kaldi, dem heutigen Zum Anker, als Kreativkreis Ruhrort ins Leben gerufen, ist das Kreativquartier Ruhrort eine Initiative, die von Künstlern, Kulturschaffenden, Kreativwirtschaftlern, Intellektuellen und anderen in Ruhrort kreativ Tätigen getragen wird. Auch Ruhrorter Bürger, Geschäftsleute und Unternehmen, allen voran die Firma Haniel, engagieren sich zugunsten des historisch bedeutenden Stadtteils an Rhein und Ruhr. Gemeinsames Ziel ist es, ein liebens- und lebenswertes Ruhrort zu schaffen und mit Hilfe von Kunst und Kultur Ruhrort zu mehr Glanz und Ausstrahlung zu verhelfen. Waren es zu Gründungsbeginn etwas mehr als 60 Interessierte, sind es inzwischen über 3500 Adressaten, die über die Entwicklung des „Kreativquartier Ruhrort“ informiert werden, am Geschehen teilhaben, sowie sich im Stadtteil engagieren wollen. 
Seit April 2012 ist mit dem Gemeindehaus Ruhrort auf der Dr.-Hammacher-Straße 6 eine Adresse und Anlaufstelle für das „Kreativquartier Ruhrort“ geschaffen worden. Hier finden Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt. Mit dem Öffentlichen Bücherschrank der Kampagne DUliest! der Bürgerstiftung Duisburg und dem Infocenter des Teams KreAktiv für Ruhrort ist das Gemeindehaus Ruhrort als erste Anlaufadresse für alle Besucher des Hafenstadtteils etabliert. 
Die Eintragung als gemeinnützige Gesellschaft, der Kreativquartier Ruhrort UG (haftungsbeschränkt) und die diesbezügliche Anerkennung durch das Finanzamt Duisburg, weitete die Handlungsbasis für die Förderung von Kunst und Kultur in Ruhrort weiter aus. Geschäftsführende Gesellschafter sind der Direktor des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt,  Dr. Bernhard Weber und der Moderator des Kreativquartiers, Heiner Heseding.

 

Vom Onkel Franz bis Schimmi, von Tante Olga
bis Lina Kaufmeister

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Die wohl berühmtesten Ruhrorter sind der Industrielle Franz Haniel und Tatort-Kommissar Horst Schimanski. Beide sind in Ruhrort allgegenwärtig und nicht wegzudenken. Haniel hat seinen Firmensitz nach wie vor im Hafenstadtteil und die ehemaligen Drehorte von Horst Schimanski, alias der im Juni 2016 verstorbene, große Schauspieler Götz George, werden zu Fuß, mit der MY Oskar auf dem Wasser oder mit dem Fahrrad touristisch erkundet. Manche dieser Touren, so auch die Rundgänge der Kulturlinie901 landen am KuKi, dem Kultkiosk am Neumarkt, in dem die Romanfigur Renz aus Fridun Zaimoglus Roman "Ruß" seine Irrungen und Wirrungen beginnt.

Aber auch starke Frauen haben das Bild Ruhrorts geprägt, ist doch eine der grünen Lungen nach der Mundartdichterin als Amalie Weidner-Steinhaus-Park benannt. Die fiktive Lina Kaufmeister aus den historischen Romanen von Silvia Kaffke "Der rote Licht des Mondes" und "Das dunkle Netz der Lügen" würde so manches der Kaufmannshäuser der Gründerzeit noch heute wieder erkennen. Mit "Tante Olga" wird regelmäßig einer, in den 60er und 70er Jahren als Institution der Beat- und Rockkultur in Erinnerung gebliebenen, Kneipenszene gedacht. Die als großherzig bekannte Tante Olga nahm hier eine Schlüsselposition ein.

 

Große Events zu Hause im größten Binnenhafen Europas

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Mit den Projekten "Nomanslanding", einer begehbaren Großinstallation im Eisenbahnhafen und "Ausstellungsstück Duisburg", vier von Künstlern bespielten Leerstandslokalen war die Ruhrtriennale in der Saison 2015 zu Gast in Ruhrort.

Schon im Kulturhauptstadtjahr 2010 hatte das Duisburger Kulturfestival Akzente den Spielort Ruhrort genutzt und der Hafen der Kulturhauptstadt war der größte Binnenhafen Europas am Zusammenfluß von Rhein und Ruhr gewesen. La Fura dels Baus und das Theaterschiff Naumon hatten erstmals ein spektakuläres Event auf die Mercatorinsel gebracht.

Im Jahr 2016 kehrten die Duisburger Akzente unter dem Festivalmotto "Nah und Fern - 300 Jahre Duisburger Hafen" nach Ruhrort zurück.

 

"Der lebendige Adventskalender" - ein kultureller Dauerbrenner in Ruhrort

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Mit ihm fing 2010 alles an, mit dem "Lebendigen Adventskalender". Und der geht so: In der Zeit vom 1. bis 24. Dezember öffnet sich an jedem Abend an einem anderen Haus in Ruhrort ein Fenster oder eine Tür. Dort wird dann für etwa fünfzehn Minuten ein wie auch immer gestalteter künstlerischer Beitrag präsentiert. Das Besondere dabei ist, dass Menschen jeden Tag an einem anderen Ort ein Lied oder Gedicht, eine Theaterszene oder Performance, ob beim Friseur oder Blumenladen, bei einer Galerie oder einem Wohnhaus, erleben können.



Ruhrorter "Kunst- und Kulturmarkt" und FaiR-Lichtermeer
bereichern das Ruhrorter Hafenfest

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Vor allem Kunst und Kultur brachte das Kreativquartier Ruhrort mit in den Hafenstadtteil. So schwankt das Ruhrorter Hafenfest durch den seit 2011 neu hinzugekommenen "Kunst- und Kulturmarkt" auf dem Neumarkt zwischen Tradition und Moderne.

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Bereits am Vorabend des Kunst- und Kulturmarktes begeistert das FaiR-Lichtermeer die ganze Ruhrorter Familie. Mit Aktionsständen für Kinder- und Jugendliche, Ballonwettbewerb, Süßem und Saurem, sowie einem Musikprogramm, das inzwischen zum Geheimtipp gereift ist, findet hier der Nachbarschaftstreff statt, zu dem auch alle Hafenfestbesucher aus Nah und Fern herzlich willkommen sind.



Ruhrorter "MAXI-Musik" bietet (auch) weltliche Musik in der Kirche

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Ob Tangoklänge, Salonmusik, amerikanische oder französische Orgelmusik, Barockkantaten  - alles ist möglich in der St. Maximilian-Kirche zu Ruhrort. Im Kreativquartier Ruhrort hat die "MAXI-Musik"-Konzertreihe inzwischen einen festen Platz.



HOFkultur - eine Veranstaltungsreihe im Kreativquartier Ruhrort

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"Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler", heißt es bei Shakespeare. Die Ruhrorter Innenhöfe machen dieses berühmte Theaterzitat wahr. So wird dort Theater gespielt und getanzt, finden Konzerte und Lesungen statt.

 

HFN-Jam und Repair Café - die Ruhrorter Monats-Anker

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HFN-Jam (die Vokale werden in der Schreibweise weggelassen) heißt die inzwischen im fünften Jahr ununterbrochen stattfindende, kultige Musikreihe, die von Thommie Black moderiert, interessierte Musiker aus Ruhrort und darüber hinaus monatlich in der Hafenkneipe "Zum Hübi" zusammenbringen. Immer wieder werden tagesaktuelle Themen aufgegriffen und in der HFN-Jam musikalisch gewürdigt. So spielte in diesem Jahr der hafengeburtstag und die Enthüllung des Monuments in Sichtweite der Hafenkneipe ebenso eine Rolle, wie manche Randnotiz im Duisburger Alltagsleben.

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Eine weitere Veranstaltung ist seit Anfang 2014 nicht mehr aus Ruhrort wegdenkbar: das Repair Café in der Christengemeinde. Wähnte man den großen Zulauf anfangs noch der fast monatlichen Präsenz von Presse, Rundfunk und Fernsehen geschuldet, ist im mittlerweile laufenden vierten Jahr die Popularität nur durch die geniale Einfachheit des aus Holland importierten Konzepts erklärbar. Wie an vielen Orten weltweit, so stehen einmal im Monat freiwillige Helfer bereit, um gemeinsam mit den Besitzern defekter elektrischer Geräte, Möbelstücke, Fahrräder oder Kleidungsstücke zu versuchen, deren Nutzbarkeit wieder sicher zu stellen. Die Erfolgsquote ist hoch und daher die Schlange der Wartenden, lange vor Öffnung der Türen ebenso.

 

Kultur und Kulinarisches gehören in Ruhrort zusammen

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Zu einem "White Dinner" oder "Diner en blanc", dem ersten in Ruhrort und zugleich ersten in Duisburg, trafen sich im Juli 2013 Menschen aus dem Hafenstadtteil, um in gepflegter Atmosphäre und einzigartiger Kulisse auf der Ruhrorter Brücke über den Eisenbahnhafen zu speisen, trinken und zu feiern. Auch die zweite Auflage im Juni 2015 versammelte die feierwilligen Ruhrorter und Freunde zum kulinarischen Sommerevent. 

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Mit der Dinnerchurch hat die Christengemeinde einen kreativen Gästegottesdienst etabliert, der neben kulinarischen Genüssen geistlichen Tiefgang und kulturelle Anregung bietet. Gospelchor oder Musiker, Comedian, Einsichten in fremde Kulturen oder markante Punkte im Jahresablauf werden in die Gestaltung der Abende einbezogen. So werden Geist, Seele und Leib gleichsam bedient.

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Die Ruhrorter Filmnacht bringt im Gebäude des Binnenschifffahrtsmuseums vergessenene oder verschollene Filmkunstwerke aus dem Archiv ans Licht. Die liebevoll restaurierten, historischen Aufnahmen werden bei einem mehrgängigen Menu von maritimen Kennern kommentiert und mit Anekdoten ergänzt.

 

Unser Dorf soll schöner werden: Die Ruhrorter Strickguerilla, die Gartenguerilla und das Sofa auf der Brücke

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Eine äußerst umtriebige „Strickguerilla“ ist seit einiger Zeit im Szenebezirk Ruhrort unterwegs, das Quartier mit „Maschen“ aufzumischen. Dazu gehört auch eine "Häkel-Fraktion" ebenso wie einige "Näh-Aktivistinnen". Vor ihnen sind keine Objekte im öffentlichen Raum sicher, egal ob Videostele, Portalhunde, oder Geländerläufe. Selbst das Ruhrorter Rehlein, das breits zum zweiten mal dreist gestohlen wurde und offensichtlich für immer verloren bleibt, ist dank der Strickguerilla wieder auferstanden.

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Die Gartenguerilla belebt öffentliche Brachen und Freiflächen mit den bunten Farben der Natur.

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Was als April-Scherz und Fotomontage anmutete, entpuppte sich als waghalsige Aktion der Parkour-Artisten und geriet zum Statement für die umtriebige und facettenreiche freie Kultur in Duisburg: das Sofa auf der Brücke. Während der Orkan Niklas in der Nacht zum 1. April 2015 über dem Ruhrgebiet wütete, stiegen die Teufelskerle mit dem Sitzmöbel auf die Brücke über dem Eisenbahnbassin, die Ruhrort mit Laar verbindet. Warum? Weil sie es können und die Risiken abzuschätzen in der Lage sind. Leider zeigte die Stadtgewalt wenig Humor, indem die Installation, die sicherlich auch weiteren Stürmen getrotzt hätte, bis zum Mittag des Tages mit schwerem Gerät entsorgt wurde. Die Aktion sorgte dennoch für weltweite Aufmerksamkeit in den (sozialen) Medien.

 

Guckkasten-Kino im Hafenstadtteil

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Seit Sommer 2010 zieren sie das Stadtbild von Ruhrort: Fünf gusseiserne Stelen, die Pollern einer Kaimauer nachempfunden sind und als eine Art „Guckkasten-Kino“ dienen. Diese Videostelen zeigen Rückblicke an jedem dieser Orte in die Welt der 1920er, 1930er und 1950er Jahre. Entwickelt und gestaltet wurden sie vom Krefelder Fotografen, Designer und Innenarchitekten Dirk Soboll.

 

Der Ruhrort-Flyer

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Im November 2012 erstmals aufgelegt, gibt der Ruhrort-Flyer den Überblick über das Kreativquartier. Mit einer Lagekarte, in der alle relevanten Orte, Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungsstätten und öffentliche Kunstwerke verzeichnet sind, lässt sich der Besuch auf der Hafeninsel optimal planen.

Der Ruhrort-Flyer zum Download

 


 

Wirtschaftliche Effekte
 
Im Zusammenspiel der Kräfte von Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft versucht das Kreativquartier den Hafenstadtteil Ruhrort als attraktiven Wohn- und Lebensraum sowie Arbeits- und Firmenstandort zu etablieren. Dazu gehören die Schaffung von Identität und Wohnwertsteigerung, Familien- und Kinderfreundlichkeit als auch Kultur- und Tourismusimpulsen zur Stärkung der Kaufkraft. Ruhrort ist mit seiner geografischen „Insellage“ bestens geeignet, eine Art geschlossenen Wirtschaftskreislauf zu simulieren. Von daher spielen Veranstaltungsangebote der gehobenen Freizeitgestaltung wie auch die Steigerung des Ausgehwertes für die Gewerbeansiedelung in Ruhrort eine bedeutende Rolle.
 

 

Kulturelle Impulse

 

Das erste gemeinsame Projekt war der „Lebendige Adventskalender 2010“. Vom 1. bis 24. Dezember wurde ruhrortweit eine Tür, ein Fenster geöffnet, aus der oder dem dann ein künstlerischer Beitrag dargeboten wurde, sei es Musik, Literatur, Theater, Tanz oder Gesang. Um die 60 Menschen täglich nahmen an dem Schauspiel teil. Seit 2011 wird der „Lebendige Adventskalender“ weitergeführt mit dem Ergebnis, dass nun sogar bis zu 100 Menschen täglich kommen. Des Weiteren wurden die Veranstaltungsreihe „HOFkultur“ und die Konzertreihe „MAXI-Musik“ geboren, die seit 2011 an verschiedenen Orten in Ruhrort stattfinden. Und das traditionelle Ruhrorter Hafenfest wurde 2011 erstmals kulturell bereichert: mit dem „FaiRLichtermeer“ der Initiative FaiR (Familie in Ruhrort) und dem „Kunst- und Kulturmarkt“. Darüber hinaus beteiligt sich der das Kreativquartier Ruhrort regelmäßig als Förderer von weiteren kulturellen Veranstaltungen im Stadtteil.

Im Herbst 2012 veranstaltete das Kreativquartier Ruhrort in Kooperation mit dem Lokal Harmonie e.V. das Projekt „Kulturelle Kraftzentrale Lokal Harmonie“. Im Rahmen der u.a. von ECCE entwickelten und vom Land NRW geförderten Initiative „Kreativ.Quartiere RUHR“ konnte das lange Zeit bauamtlich geschlossene Lokal Harmonie sich kraftvoll als künstlerisches Zentrum des Quartiers und wesentlicher Motor seiner kulturellen Weiterentwicklung zurückmelden. Zudem leistete dieses Projekt vernetzende Arbeit zwischen den Akteuren des Lokal Harmonie, dem Kreativquartier Ruhrort und weiteren kulturellen Initiativen im Stadtteil. Auch diese Internetseite ist ein Ergebnis des Projekts.


 
Standortentwicklungen
 
Noch im Kulturhauptstadtjahr 2010 und nach dem Kulturfestival der „33. Duisburger Akzente“ im gleichen Jahr - beide Ereignisse standen unter dem Titel „Hafen der Kulturhauptstadt“ - wollte man in Ruhrort über Nachhaltigkeit nicht nur reden, sondern sie vor allem erlebbar machen. Die Auszeichnung „Kreativ.Quartier“ durch die RUHR.2010/ECCE wurde auch nicht als eine Art „Meisterbrief“ verstanden, der Wände ziert, sondern als Verpflichtung und Herausforderung zugleich, auf die Entwicklung des Stadtteils Einfluss zu nehmen. So versteht sich das Kreativquartier Ruhrort gewissermaßen als Dach verschiedener Ruhrorter Vereine, Verbände und Initiativen, das für die Verschönerung des Stadtteilbildes, die Verbesserung der Lebensqualität und die Ermutigung zum wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Wandel dieses Hafenstadtteils, mitunter in Richtung eines „Szenebezirks“, eintritt.
 


Perspektiven
 
Aus dem Ergebnis von Arbeitsgruppen, die zu verschiedenen Themen der Stadtteilentwicklung eingerichtet wurden,hat sich aus dem Kreativquartier Ruhrort der "Runde Tisch Ruhrort" zusammen gefunden. Vertreter verschiedener Dezernate der Stadt Duisburg, in Ruhrort aktive Verbände, angesiedelte Firmen und Vertreter der Kreativwirtschaft wollen durch Vernetzung und Austausch von Ideen Kräfte bündeln und Entwicklungen im Hafenstadtteil voran treiben.

 


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